Franz Hernandez• Weidigstraße. 9 - 95183 Feilitzsch • Telefon 09281 / 1406718 • E-Mail: francisco.hernandez@gmx.de

Das Interview führte im August 2013 Ralf Mösges,
Öffentlichkeitsreferent der FÜWG-Feilitzsch


Selbstverständlich bin ich nicht irgendwann
frühmorgens aufgewacht, und habe verkündet:
"Ich werde Bürgermeister!"




Mösges: Was treibt dich eigentlich an, ein relativ geordnetes Berufsleben mit festen Dienstplänen und -zeiten gegen ein Leben in der Öffentlichkeit zu tauschen? Was treibt dich an, einen politischen Beruf zu wählen, der weder geregelte Arbeitszeiten noch freie Wochenenden kennt, und bei dem täglich neue, möglicherweise unerwartete und schicksalhafte Entscheidungen und Aufgaben auf dich zukommen?

Hernandez: Mich treibt die Herausforderung für diese neue Aufgabe als Bürgermeister an. Wie du weißt übe ich mittlerweile meinen dritten Beruf aus, und alle meine Beschäftigungen haben mir sehr viel Spaß gemacht. Gelernt habe ich den Beruf des Textilmechanikers bei der Fa. Faber in Isaar. Zur Wende bin ich dann zur damaligen Deutschen Bundesbahn gewechselt, bei der ich die Ausbildung zum "Verwendungsmäßigen Zugführer" machte, und diesen dann 14 Jahre leidenschaftlich ausübte. Seit 11 Jahren bin ich nun beim Bundesamt für Güterverkehr als Regierungsobersekretär tätig. Mittlerweile wohne ich seit 30 Jahren in unserer wunderbaren Gemeinde Feilitzsch, in der ich von Anfang an sehr gut aufgenommen worden bin. Nun habe ich das große Bedürfnis, etwas von dem, was mir Gutes widerfahren ist, zurückzugeben…

Wie gehst du damit um, dass du es als Bürgermeister nicht jeder Bürgerin und jedem Bürger Recht machen kannst? Bist du dir im Klaren darüber, egal welche Entscheidung du fällst, es gibt immer jemanden, der mit dieser Entscheidung nicht einverstanden ist?

Da hast du schon Recht. Alle zu überzeugen und zu erreichen ist nicht einfach. Trotzdem ist es sehr wichtig, seinen Mitbürgern immer ein offenes Ohr zu schenken und ständig den Dialog mit ihnen zu suchen. Unter einem guten Bürgermeister stelle ich mir jemanden vor, der zuhören kann, diplomatisch ist, die Bürger mit einbezieht und schließlich eine Entscheidung trifft. Das ist meine Vorstellung von Bürgernähe.

Deine Frau Carmen wird mit deiner Wahl die "Erste Frau in der Gemeinde", sozusagen die First Lady. Was sagen deine Frau und deine drei Söhne zu deinen beruflichen Ambitionen?

Die "Erste Frau in der Gemeinde" an der Seite des Bürgermeisters, ist mit das Wichtigste. Denn neben einem erfolgreichen Bürgermeister sollte eine mindestens genauso starke Frau stehen! Ohne diese Konstellation ist diese Aufgabe nicht zu meistern. Selbstverständlich bin ich nicht irgendwann frühmorgens aufgewacht, und habe verkündet: "Ich werde Bürgermeister!". So eine Entscheidung muss reifen. Wir haben zahlreiche Diskussionen mit meiner Familie geführt und am Schluss waren wir uns einig: "Papa du wirst der nächste Bürgermeister von Feilitzsch."

Das Bürgermeisteramt ist ein politischer Beruf. Wie gedenkst du, diesen Beruf zu erlernen? Deutschland ist ein Dschungel voller Gesetze und Verordnungen – wie lernst Du damit kompetent und sachgerecht umzugehen, wie bereitest du dich auf deine neuen Aufgaben vor und wer steht dir zur Seite? Woher bekommst du Tipps und Informationen?

Die kommunale Fachwelt ist sich einig, dass der Bürgermeister das höchste Amt in der Gemeinde ist. Dieses Amt ist eine sehr große Ehre. Bereits bei der Bahn und auch später beim BAG habe ich gelernt, Gesetze bzw. Verordnungen zu lernen und anzuwenden. Natürlich kommen jetzt ganz neue Sachbereiche auf mich zu; darauf stelle ich mich so weit wie möglich im Vorfeld ein. Ich habe bereits an verschiedenen Lehrgängen teilgenommen. Außerdem betreut mich das Kompetenzteam der FÜWG, mit langjährig erfahrenen Gemeinderäten und engagierten Kommunalpolitikern, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ein großer Vorteil ist auch mein regelmäßiger Besuch der Gemeinderatssitzungen, um damit einen besseren Einblick in die Arbeit des Gemeinderates und des Bürgermeisters zu bekommen.

Eine Aussage, die man von dir schon häufiger gehört hat lautet: "Ich bin in meinem Leben an meinen Aufgaben gewachsen" – was meinst du genau damit?

Am Anfang eines Berufes ist man gut ausgebildet und vorbereitet, aber niemand ist allwissend. Irgendwann muss man dann seine eigenen Erfahrungen sammeln, sich ständig fortbilden und stetig weiterentwickeln. Sowohl mein Beruf als Eisenbahner, als auch der als Kontrolleur beim BAG, sind mir mit Sicherheit nicht in den Schoß gelegt worden. Ich musste das mir entgegengebrachte Vertrauen bestätigen und mich bewähren. Am Anfang jeder neuen Aufgabe steht das Vertrauen, das notwendige Grundkapital.

Ist dein selbstbewusstes Auftreten und die offene Art, die du ausstrahlst, eher eine Folge deiner bisherigen beruflichen und privaten Erfolge oder mehr dein persönliches Markenzeichen?

Eigentlich beides, denn mein Glas war schon immer "halbvoll". Mein Zuhause ist meine Festung, ohne den Rückhalt meiner geliebten Familie, hätte ich das alles sicher nicht geschafft. Aus einer intakten Familie eröffnen sich ganz andere Perspektiven, die sich dann auch beruflich als erfolgreich erweisen. Meine positive Einstellung zum Leben und zu Menschen ist der Nährboden meines Erfolges. "Ein Lächeln, ist der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen." Es schmeichelt mir sehr, wenn das so gesehen wird und meine Botschaft so herüber kommt…

Du hast viele Jahre Erfahrung in der Vereinsarbeit, verbunden mit größeren und kleineren Erfolgen, persönlichen Erfolgen, aber in erster Linie Erfolge für die jeweiligen Vereine, bei denen du dich engagierst. Denkst du, dass dir diese Erfahrungen für das angestrebte Amt als zukünftiger Bürgermeister der Gemeinde Feilitzsch zugute kommen? Wie stehen deine Vereinskameraden zu deinen ambitionierten Plänen?

Mit dem Ehrenamt war ich von Anfang an eng verbunden. Bereits in meiner Schulzeit war ich Klassensprecher und später auch Schulsprecher. Meine Hauptaufgabe war es stetig, Menschen bzw. Gruppen zu repräsentieren, zusammenzuführen und zusammenzuhalten. Viele Jahre war ich aktiv bei der KaGe Töpen, habe Fußball gespielt beim ZV Feilitzsch/ TUS Töpen, war im Elternbeirat des Kindergarten Trogen, im Elternbeirat/Förderkreis der Verbandsschule Feilitzsch, bin seit 2007 Jugendtrainer der JFG Bayer. Vogtland und seit 2008 bin ich mit einigem Erfolg als 2. Vorstand des ZV Feilitzsch, zuständig für die erfolgreiche Fußballabteilung. Der Lohn für jemand der ehrenamtlich arbeitet, ist die Freude darüber die er anderen bereitet. Wenn man auch noch erfolgreich ist, dann ist das eine Genugtuung. All dieses Engagement möchte ich als Bürgermeister zum Wohle unserer Heimatgemeinde umsetzen. Wenn es unserer Gemeinde gut geht, dann geht es auch mir gut. Als mich damals der 1. Vorsitzende des ZV Feilitzsch, Werner Dengler bat, den Vorstand der Fußballabteilung zu übernehmen, habe ich keinen Moment gezögert und zugesagt. Ich wurde dringend gebraucht, es bestand akuter Handlungsbedarf. Durch meine "Neuen Aufgabe" war mir klar, bei der Kommunalwahl 2008 mit meinem politischen Engagement etwas kürzer treten zu müssen, nachdem ich im Jahr 2002 bereits als Gemeinderatskandidat aufgestellt war. Vor längerer Zeit ist dann die FÜWG erneut auf mich zugekommen, mit der Bitte, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Dieser Bitte bin ich mit Stolz nachgekommen. Meine Kameraden vom ZV Feilitzsch verstehen mich, sicherlich mit etwas Wehmut. Doch sie werden mich genauso unterstützen, wie ich sie stets unterstützt habe. Ich gehe nicht von Feilitzsch weg. Im Gegenteil, ich rücke doch nur in eine andere Position.

Als Bürgermeister "führt" man nicht nur seine Gemeinde an, sondern hat auch Mitarbeiter, mit denen man täglich zusammenarbeitet und die geführt werden wollen. Was dürfen sie erwarten?

Meine Frau Carmen ist seit über 20 Jahren bei der VG Feilitzsch im Einwohneramt beschäftigt. Bei verschiedenen Wahlen, hatte ich die Möglichkeit unsere VG Angestellten und Bauhofmitarbeiter kennen zu lernen. Eines möchte ich an dieser Stelle betonen, das Herzstück unseres Rathauses ist die Verwaltung. Jeder Bürgermeister, so kompetent und fachlich versiert er auch sein mag, ist auf die konstruktive Mitarbeit der gesamten Verwaltung angewiesen. Wenn der Bürgermeister und seine Mitarbeiter in einer verträglichen Atmosphäre miteinander kooperieren, dann profitiert unsere gesamte Gemeinde davon, und das wird mein Ziel sein.

Ich danke für dieses Gespräch!